StartseiteHistorischesAltgolßener halfen mit Motorspritze aus (Teil 5)

Altgolßener halfen mit Motorspritze aus (Teil 5)

Lausitzer Rundschau 03.04.2002
Golßen. Die Freiwillige Feuerwehr in Golßen begeht in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag. Der Golßener Hobbyhistoriker Lars Rose hat deren Geschichte aufgeschrieben, die die RUNDSCHAU veröffentlicht.

Ende Mai 1945 hielt die Feuerwehr in Anwesenheit des russischen Stadtkommandanten ihren ersten Nachkriegsappell ab. Da jedoch fast alle modernen Löschgeräte entweder abgeholt oder kaputt waren, stand es um die Einsatzfähigkeit schlecht. Und so mussten die Altgolßener aushelfen. Deren zwar ebenfalls defekte Motorspritze wurde nach Golßen geholt hier repariert und anschließend für rund ein Jahr im hiesigen Spritzenhaus stationiert. Probleme gab es aber auch weiterhin mit den benötigten Kraftstoffen. In einem Schreiben an den Landrat beklagte der Bürgermeister im September 1945 die Nichteinsatzfähigkeit der Feuerwehr. Gleichzeitig bat er um die Lieferung von 100 Litern Benzin und 30 Litern Öl. Einen Monat später brachte der „Treckerfahrer Anton Pilarski aus Sellendorf“ laut Quittung „zwei Fass Diese-Motoröl und fünf Kilogramm Benzin“ nach Golßen. Ob die Feuerwehr damit zufrieden war, ist nicht überliefert.

Recht kurios und aus heutiger Sicht kaum nachvollziehbar ist folgendes: Im Januar 1946 befahl der Stadtkommandant, dass die Wehr im Hf der Kommandantur täglich (!) eine Löschübung abzuhalten habe. Der Anlass für diesen Befehl ist heute nicht mehr ersichtlich. Vielleicht hatte es zuvor Probleme bei einem Löscheinsatz gegeben? Nach ein paar Wochen täglichen Übens, wurde wohl auch dem Stadtkommandanten der Unsinn dieser Anordnung bewusst und dieselbe geändert.
Völlig überraschend wurde 1948 Wehrleiter Stephan als „politisch belastet“ eingestuft und „zwangsweise seines Postens enthoben“. Überraschend deshalb, weil er zwar fast die gesamte Nazizeit über die Freiwilligen Feuerwehr geleitet hatte, mittlerweile aber auch schon wieder rund drei Jahre unter der sowjetischen Besatzungsmacht. Seinem gewählten Nachfolger Fritz Haase erging es nicht besser. Der wurde vom Landesbrandschutzamt wegen früherer NSDAP-Mitgliedschaft für „nicht geeignet“ befunden und kurzerhand abgesetzt. Ein Einspruch dr Golßener, für die damalige Zeit mutig, wurde abgewiesen. Schließlich wählte man den langjährigen Gerätewart Max Woick zum neuen Wehrleiter.
Nachdem die ersten schweren Nachkriegsjahre vorbei waren, erhielt die Feuerwehr um 1950 ihr erstes Auto – kein Löschfahrzeug, sondern einen offenen Mannschaftswagen älteren Jahrgangs. Er war von der Luckauer Polizei abgegeben worden. Mit ihm konnte zumindest eine Gruppe schneller als bisher zum Ort des Geschehens transportiert werden. Noch größer war die Freude bei den Kameraden, als Mitte der 50er Jahre endlich das erste Löschfahrzeug, ein „Garant“ – 27-LF8, seinen Platz im Spritzenhaus fand. Etwa um die gleiche Zeit erhielt Golßen seine zweite elektrische Sirene. Sie wurde auf dem zerstörten Rathausturm insatlliert. Gerhard Woick, von 1961 bis 1969 Wehrleiter in Golßen, erinnert sich, dass er deshalb mit anderen Kammeraden viele Stunden beim Schippen des Kabelgrabens zwischen Rathaus und Spritzenhaus zugebracht hat.
Die erste Sirene war Ende der 40er Jahre auf dem Spritzenhausturm angebracht worden. Sie funktionierte noch mit Gleichstrom. Parallel zur allmählichen Modernisierung lief die Verschrottung des alten Materials. Diesmal hatte die „Grüne Spritze“ keine Chance. Sie wurde in ihre Einzelteile zerlegt und anschließend verschrottet.
Ebenso erging es den meisten alten Handdruckspritzen in den umliegenden Dörfern. Zwar wurden dabei wertvolle Bundmetalle gewonnen; zugleich ging damit aber auch ein im wahrsten Sinne des Wortes handfestes Stück Feuerwehrgeschichte für immer verloren.

Quelle: Lausitzer Rundschau 03.04.2002
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